Kulturfalters Bandsteckbrief mit Songs für Huckleberry

In Mitteldeutschland gibt es eine lebendige Musikszene, bestehend aus vielen Bands und Musikern. Und wir kündigen viele ihrer Konzerte bei Kulturfalter an. In unserer Reihe „Entdeckung der Woche“ wollen wir Ihnen in loser Reihenfolge einige der Bands genauer vorstellen. Unseren ersten Steckbrief hat Andreas Ruhland von der halleschen Band „Songs für Huckleberry“ beantwortet.

Wie lange gibt es euch schon, und wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir haben 2012 angefangen, Musik zu machen, nachdem wir schon lange miteinander befreundet waren. Wir wollten uns neuen Herausforderungen stellen. Ich schrieb zu diesem Zeitpunkt bereits viele Texte, und wir fingen gerade an, unsere Instrumente mal wieder in die Hand zu nehmen. Da hatten wir die Idee, innerhalb von zwölf Monaten zwölf eigene Songs zu schreiben, zu komponieren, zu arrangieren und so aufzunehmen, dass am Ende des Jahres ein komplettes Album herauskommt. Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir einfach weitergemacht haben und nun schon seit mittlerweile zehn Jahren Musik machen.

Euer Name ist „Songs für Huckleberry“ – Was steckt da dahinter? Geht es um Lieder für die Heidelbeere oder den besten Kumpel von Tom Sawyer?

Eine schöne Frage! Aber es geht tatsächlich um die Romanfigur Huckleberry Finn. Der Bandname ist eine Reminiszenz an die Bücher von Mark Twain über die Freundschaft von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Dieser Klassiker ruft eine ungeheure Sehnsucht, vielleicht sogar ein bisschen Wehmut und Melancholie nach einer verloren gegangenen Unschuld hervor. Wir sind Nostalgiker, ganz bestimmt, und darum schien der Bandname ziemlich gut zu den Geschichten zu passen, die wir in unseren Songs erzählen.



Wer sind eure musikalischen Vorbilder und warum?

Meine Vorbilder kommen alle aus der Singer/Songwriter-Szene: Amerikanische Künstler wie Sufjan Stevens, Gregory Alan Isakov und The Innocence Mission, britische Musikerinnen wie Tracey Thorn und Tanita Tikaram gehören genauso dazu wie die deutschsprachigen Liedermacher Clueso und Tom Liwa. Was ich an ihnen so sehr mag, ist dieser schmale Grat zwischen der Melancholie ihrer Lieder und dem feinfühligen Humor, mit dem sie das Leben sehen.

Mit wem würdet ihr am liebsten einmal auf der Bühne stehen?

Ganz klar: Clueso. Der hat's drauf! Der ist echt, verstellt sich nicht und ist ein prima Kerl. Er hat klasse Musiker um sich herum, macht Stimmung auf der Bühne und schenkt den Leuten eine gute Zeit. Und natürlich macht er seit Jahren auch noch ziemlich starke Musik!

Auf welchem Festival würdet ihr am liebsten spielen und warum?

Das Summer's Tale südlich von Hamburg. Dort gibt's nicht nur richtig gute Bands und eine Menge Singer/Songwriter, sondern auch Lesungen, Filme, Workshops, Kunstinstallationen und ein Spielprogramm für Kinder. Das ist ein sehr vertrautes, familiäres Feeling – eine Umgebung, in der wir uns sehr wohlfühlen.



Woher nehmt ihr eure Inspiration?

Für mich ist das Songschreiben eine Art Therapie. Ich verarbeite viele meiner Erlebnisse und Begegnungen, aber auch Träume, Ängste und Gedanken in meinen Songs – wie eine Art Tagebuch. Daraus entstehen dann Stücke, die auch ein guter Filter sein können, um Sorgen und manchmal sogar Wut zu kompensieren. Andere Songs wiederum könnten auch Briefe an Freunde sein, weil die Zeilen zum Ausdruck bringen sollen, wie wichtig einem diese Person ist.

Verbringt ihr auch außerhalb der Band viel Zeit miteinander?

Tatsächlich sind wir nicht nur Bandkollegen, sondern auch Freunde, die viel Zeit miteinander verbringen. Wir treffen uns zum Grillen, trinken guten Wein, mögen Gesellschaftsspiele, sind am liebsten draußen unterwegs und fahren sogar zusammen in den Urlaub. Wir hatten auch schon ein Bandcamp an der Ostsee, bei dem wir uns ein richtig gemütliches Haus gemietet und eine Woche lang intensiv an neuen Songs gearbeitet haben.

Womit vertreibt ihr euch die Zeit im Lockdown?

Wir alle sind während der Zeit des Lockdowns weiterhin arbeiten gegangen. Unser aller Berufsalltag hat sich zwar verändert, ist aber nicht weniger stressig geworden. Die Zeit, die bleibt, verbringt jeder von uns damit, neue Ideen zu entwickeln und diese auszuprobieren, um einerseits nicht aus der Übung zu kommen und andererseits wieder direkt losstarten zu können, wenn es wieder möglich sein wird, live zu spielen.

Was wünscht ihr euch für die Zeit nach der Pandemie?

Ich fände es super-cool, wenn man einen Feiertag als Schlussstrich der Pandemie ins Leben rufen würde: ein Tag, an dem alle frei haben und Party machen, Musik spielen, tanzen und sich ohne Angst vor Ansteckung in den Armen liegen können. Dieser Moment sollte nicht einfach als selbstverständlich hingenommen werden, sondern muss allen bewusst machen, dass es ein wertvolles Gut ist, sich gesund, ohne Grenzen und Einschränkungen in einem demokratischen Europa frei bewegen zu können. Das muss doch gefeiert werden!

Woran arbeitet ihr gerade?

Ich habe eine ganze Reihe an neuen Songs geschrieben, und in den nächsten Monaten haben wir vor, an den Liedern zu arbeiten, um sie später für ein neues Album aufzunehmen.

Lieber Andreas, vielen Dank für das Interview.

Mehr über Songs für Huckleberry gibts auf der Homepage oder dem Youtubekanal der Band.



Songs für Huckleberry - Es ist zu lange her.